Jugendlicher mit sozialer Angst im Ferienlager, 12 Jahre
Ein Feriencamp bedeutet zwölf Tage, hundert Jugendliche, siebzehn Betreuende, einen dichten Gruppenrhythmus. Ein Jugendlicher mit sozialer Angst kann dort ankommen und schon beim ersten Abendprogramm scheitern. Der QR-Code, den das Betreuungsteam vorab per E-Mail erhält, ermöglicht es, diskrete Rückzugsmöglichkeiten vorzubereiten, ohne die Eingliederung in die große Gruppe „zu seinem Wohl" zu erzwingen.
Dieser Fall betrifft Jugendliche mit sozialer Angst oder generalisierter Angststörung, die von ihren Eltern trotz Bedenken für ein Feriencamp angemeldet wurden.
Die erlebte Situation
Berghütte, Tag 1 des Feriencamps. Nach dem Abendessen bereitet das Betreuungsteam das Abendprogramm vor: ein Kennenlernspiel im großen Kreis, jeder Jugendliche stellt sich mit lauter Stimme vor den hundert anderen vor. Die pädagogische Leiterin geht ihre Liste durch. Sie hat die E-Mail der Eltern von Élise, 12 Jahre, mit dem QR-Link erhalten. Sie scannt ihn in ihrem Büro vor dem Abendprogramm.
Sie erfährt, dass Élise eine schwere soziale Angst hat, diagnostiziert im Alter von 11 Jahren, dass sie sich nicht in einer großen Gruppe vorstellen kann, dass der Auftritt vor mehr als zwanzig Personen Panikattacken auslöst, dass sie tagsüber alle 2 Stunden einen Rückzugsmoment braucht, um sich zu erholen. Sie wurde für das Feriencamp angemeldet, weil sie es ausprobieren wollte.
Die Leiterin ändert das Abendprogramm: Das Kennenlernspiel findet in fünf Untergruppen zu je zwanzig Personen statt, nicht im großen Kreis. Élise wird in der ruhigsten Gruppe sein, bei einer Betreuerin, die informiert wurde. Um 21:30 Uhr kann Élise etwas früher ins Bett gehen, falls sie es braucht, ohne dass jemand etwas dazu sagt. Die Leiterin schreibt der Mutter am Abend: „Abendprogramm überstanden, sie hat ihren Vornamen und ihren Lieblingsfilm vorgestellt, alles ist gut." Die Mutter atmet auf.
- Sie schreiben es
- Der QR ist angebracht
- Der Leser scannt
- Verstanden, ohne erneut zu erklären
Wo der QR-Code für diesen Fall platziert wird
Die Weitergabe erfolgt im Voraus, per direkter E-Mail an das pädagogische Team oder die Leitung des Aufenthalts, mit dem QR-Link direkt in der Nachricht. Zusätzlich die gedruckte Karte im Kulturbeutel, im Koffer oder im Rucksack, der beim Jugendlichen bleibt.
Sichtbare Sticker auf der Tasche oder dem Koffer in Gemeinschaftsbereichen (Schlafsaal, Kantine) vermeiden: Der Jugendliche möchte in einem Alter, in dem die Eingliederung in die Gruppe eine identitätsstiftende Frage ist, keine öffentliche Kennzeichnung. Auf Kleidung aufgenähte Abzeichen vermeiden.
Für Aktivitäten mit erhöhtem Risiko einer Krise (Hochgebirge, Seilrutschen, Höhlenforschung) kann ein diskretes Abzeichen mit QR-Code unter dem Pullover getragen werden, für die Betreuungsperson bei Bedarf zugänglich, ohne für die anderen Jugendlichen sichtbar zu sein.
Bei mehrwöchigen Feriencamps kann die pädagogische Leiterin einen diskreten Hinweis in der täglichen Verlaufsakte vermerken, die von den jeweiligen Betreuenden des Tages eingesehen werden kann, ohne dass die Information offengelegt wird.
Vorformulierte Textvorlagen
Die drei folgenden Vorlagen werden vom Elternteil in Absprache mit dem Jugendlichen geschrieben. Der Ton bleibt der eines Elternteils, das erklärt, was seine Tochter oder sein Sohn erlebt, nicht der eines Arztes, der etwas verordnet.
Für den Abschnitt „Vorstellung"
„Élise ist 12 Jahre alt. Schwere soziale Angst, diagnostiziert 2024. Außerhalb großer Gruppen geht es ihr sehr gut, sie liest gerne, zeichnet und unterhält sich gerne mit 3 bis 4 Personen. In einer großen Gruppe blockiert sie, sie kann eine Panikattacke bekommen (feuchte Hände, kurzer Atem, Fluchtdrang). Sie möchte das Feriencamp ausprobieren, braucht aber Anpassungen."
Für den Abschnitt „Wie man helfen kann"
„Sie können: sie bei Gruppenaktivitäten in eine Untergruppe von maximal 20 Personen einteilen, sie ab dem ersten Tag mit einer ruhigen Kameradin zusammenbringen, ihr alle 2 Stunden einen Rückzug in den Schlafsaal erlauben (10 Minuten reichen), sie beim Abendprogramm ohne Kommentar aussetzen lassen, ihre Eltern anrufen, wenn die Krise länger als 20 Minuten dauert."
Für den Abschnitt „Was vermieden werden sollte"
„Zu vermeiden: sie beim großen Vorstellungsspiel als Erste drankommen lassen, von ihr verlangen, bei der Disco-Party zu tanzen, ihr sagen „los, komm aus dir heraus" (sie steckt nicht in einer Schale), sie wegen mangelnder Teilnahme bestrafen, sie als schüchtern bezeichnen (das Wort verharmlost die Angststörung), sie über längere Zeit ohne Ansprechperson allein lassen."
Besonderheiten, die diesen Fall betreffen
Dieser Fall geht von sozialer Angst bei Jugendlichen aus. Er betrifft auch generalisierte Angststörungen, schulische Phobien in Besserung, aber noch fragil, sowie Jugendliche mit hochfunktionalem Autismus (Autismus-Spektrum-Störung), die große, unstrukturierte Gruppen schlecht vertragen.
Ähnliche Fälle
Drei weitere Fälle, in denen der QR-Code einer Betreuungsperson ermöglicht, eine diskrete Anpassung vorzubereiten, ohne dass der Jugendliche vor seinen Altersgenossen bloßgestellt wird.
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