Unsichtbare Behinderung: 6 Hilfsmittel, die Familien schon heute im Alltag nutzen
Kontaktheft, handschriftlicher Zettel, MDPH-Ausweis, medizinisches Armband, Sonnenblumen-Lanyard, geteilte Apps: eine Zusammenstellung der 6 Hilfsmittel, die Familien bereits nutzen, um nicht mehr alles neu erklären zu müssen, wie sie sich kombinieren lassen, wo ihre Grenzen liegen.
Einleitung
Jeder neuen Person eine unsichtbare Behinderung zu erklären, ist belastend. Diese dauerhafte Arbeit heißt Erklärlast. Familien und betroffene Personen haben schon immer Lösungen erfunden, um nicht bei jeder Begegnung wieder bei null anzufangen. Dieser Artikel stellt die 6 am häufigsten genutzten Hilfsmittel zusammen, wie sie sich je nach Kontext kombinieren lassen, und wo jedes einzelne endet.
Die 6 Hilfsmittel, die Familien nutzen
Jedes dieser Hilfsmittel wurde erfunden, um ein konkretes Bedürfnis zu lösen:
- Das Kontaktheft in der Schule, das das Kind von Jahr zu Jahr begleitet. Schon ab der Vorschule genutzt, bündelt es den Austausch zwischen Eltern und Lehrkräften.
- Der handschriftliche Zettel, der der Lehrkraft zu Schulbeginn übergeben wird. Einfach, persönlich, auf eine erwachsene Person und einen bestimmten Moment zugeschnitten.
- Der MDPH-Ausweis oder die CMI (französischer Behindertenausweis für Mobilität und Inklusion) im Portemonnaie. Administrative Anerkennung, die Rechte und Vorrang eröffnet.
- Das medizinische Armband für Notfälle. Signalisiert einer ersthelfenden Person eine kritische Erkrankung.
- Das Sonnenblumen-Lanyard (Hidden Disabilities Sunflower), das 2016 aus dem Vereinigten Königreich kam. Signalisiert das Vorliegen einer unsichtbaren Behinderung an Flughäfen, Bahnhöfen, in Geschäften.
- Geteilte Verlaufs-Apps (gemeinsam genutzte Patientenakten, digitale Hefte). Vor allem in der medizinischen und therapeutischen Begleitung genutzt.
Wie sich diese Hilfsmittel kombinieren lassen
Kein Hilfsmittel ist dafür gedacht, allein alles abzudecken. Familien kombinieren je nach Kontext oft 2 oder 3:
- In der Schule: tägliches Kontaktheft, handschriftlicher Zettel zu Schulbeginn, MDPH-Ausweis für externe Fachkräfte (AESH, Logopädie).
- Bei der Arbeit: RQTH-Status, der der Personalabteilung mitgeteilt wird, Gespräch mit der Führungskraft, ausgedrucktes Profil für die direkten Kolleginnen und Kollegen.
- Im öffentlichen Raum: medizinisches Armband für lebensbedrohliche Notfälle, Sonnenblumen-Lanyard für soziale Situationen (Flughafen, Schalter).
- Für ein Kind mit mehreren Bezugspersonen: Kontaktheft in der Schule, geteilte App zwischen Pflegekräften, Profil, das dem Hortpersonal übergeben wird.
Die Kombination funktioniert, verlangt der betroffenen Person aber ab, mehrere Hilfsmittel parallel zu verwalten und jedes einzeln aktuell zu halten.
Wo jedes Hilfsmittel an seine Grenze stößt
Jede Lösung ist für einen konkreten Kontext gedacht. Außerhalb dieses Kontexts folgt sie nicht mehr:
- Das Kontaktheft verlässt die Schule nicht. Es folgt nicht in ein Freizeitzentrum, eine gelegentliche Betreuung, einen Arzttermin.
- Der handschriftliche Zettel an die Lehrkraft gilt für eine erwachsene Person, ein Jahr. Im folgenden Schuljahr muss alles neu gemacht werden.
- Der MDPH-Ausweis begründet ein administratives Recht. Er sagt weder, wie man helfen kann, noch, was zu vermeiden ist.
- Das medizinische Armband spricht eine ersthelfende Person in einer lebensbedrohlichen Situation an. Es spricht nicht die Bürokollegin oder den Bürokollegen an.
- Das Sonnenblumen-Lanyard signalisiert, dass eine unsichtbare Behinderung vorliegt, ohne zu sagen, welche oder wie darauf reagiert werden sollte.
- Geteilte Verlaufs-Apps verlangen, dass jede Fachkraft ein Konto anlegt, das Hilfsmittel lernt, sich einloggt. Viele tun das nie.
Die gemeinsame Lücke: die Anpassung an die Zielgruppe
Der gemeinsame Punkt all dieser Hilfsmittel: Sie liefern jeder Person, die sie konsultiert, dieselbe Information. Doch eine ersthelfende Person, eine Lehrkraft, eine Kollegin oder ein Kollege und ein Kind brauchen nicht denselben Detailgrad zu derselben Behinderung.
Genau diese Anpassung an die Zielgruppe macht den Unterschied zwischen „informiert" und „verstanden". Eine Lehrkraft braucht pädagogische Hinweise, eine ersthelfende Person konkrete Handgriffe, ein Kind eine einfache, verständliche Erklärung.
Ein ergänzender Ansatz besteht darin, ein einziges Profil zu erstellen und es über einen QR-Code zu teilen, mit einer Erklärung, die sich beim Scannen an die Rolle der lesenden Person anpasst. Das ist die Logik von myHandiQR: Das Profil wird einmal von der betroffenen Person geschrieben, und die Erklärung jeder Behinderung passt sich der jeweiligen Zielgruppe an.
Zum Merken
- Sechs Hilfsmittel werden bereits häufig genutzt: Kontaktheft, handschriftlicher Zettel, MDPH-Ausweis, medizinisches Armband, Sonnenblumen-Lanyard, Verlaufs-Apps.
- Jedes Hilfsmittel ist in einem konkreten Kontext wirksam, aber keines begleitet die Person überallhin.
- Familien kombinieren sie oft (2 bis 3 Hilfsmittel je Kontext), was den Aufwand für mehrere Hilfsmittel mit sich bringt.
- Der gemeinsame Punkt ihrer Grenzen: Keines passt die Botschaft an die jeweilige Zielgruppe an.
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